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Eine Ära geht zu Ende

Verfasst von Nicola Reimers am . Zuletzt aktualisiert am 22. Juli 2021

Alle waren sie gekommen, um ihn zu verabschieden: Thomas Straub. Schulleiter des Montfort-Gymnasiums seit 21 Jahren. Seit 37 Jahren an der Schule, im Vorstand der Direktorenvereinigung, Vorsitzender des Tennisclubs, engagiert in der Bürgerstiftung und der Stiftung Buildung und Jugend. Eine echte Tettnanger Persönlichkeit.

In der mit Blumen geschmückten Aula des MGTT durfte dank gesunkener Inzidenzen diese offizielle Verabschiedung sogar in Präsenz stattfinden. Das hatte vor Wochen noch keiner zu hoffen gewagt. Der rote Teppich war schon ausgerollt und wartete auf die Besucher. Unter den Gästen waren Vertreter des Regierungspräsidiums Tübingen, Bruno Walter, Gemeinderäte, der ehemalige Schulleiter Herr Strobel, ehemalige Stellvertreter und Abteilungsleiter, die amtierenden Schulleiter der Tettnanger Schulen, das Leitungsteam des MGTT sowie zahlreiche Kolleg*innen, die Elternbeiratsvorsitzenden, unser Hausmeisterteam und die Schülersprecherinnen der SMV. In der ersten Reihe saßen Herr Straub und seine Familie.

Zum Auftakt der Veranstaltung spielte das Kammerorchester unter der Leitung von Joachim Trost (Solistin Violine: Nina Hager), das eigens in der Musikschule für diesen besonderen Moment geprobt hatte, ein Allegro von Vivaldi. Dann betrat Christine Hild, die Stellvertreterin an Herrn Straubs Seite, die Bühne. Sie blickte auf eine 13-jährige enge Zusammenarbeit zurück und betonte in einer humorvollen Begrüßung, wie gut sie und Thomas Straub sich in ihrer Verschiedenheit ergänzten. Sie war es auch, die dieses Fest maßgeblich geplant hat.

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Frau Dr. Susanne Pacher, Abteilungspräsidentin für Schule und Bildung am Regierungspräsidium Tübingen, nahm Herrn Straubs Werdegang in ihrer Ansprache genauer unter die Lupe und erzählte zunächst von seiner Herkunft aus Schwäbisch Gmünd und seiner Wehrdienstzeit, die ihn optimal auf „schwierige Situationen unter Beschuss“ vorbereitete. Geholfen habe ihm auch, dass er neben Mathematik und Physik auch Informatik unterrichten konnte, er sei damals als einer der wenigen schon im Besitz eines C64 gewesen, was ihm in seiner frühen Laufbahn eine Anstellung sicherte.

Auch zog sie einen Vergleich zu den Grafen Montfort, denn genau wie bei ihnen, zeichnete sich auch Herrn Straubs Führungsstil als fortschrittlich aus. Begegnung auf Augenhöhe. Zeit für informellen Austausch und das Voranbringen von Partizipation von Eltern und Schülern in der Schulentwicklung.

Neben der SEG etablierte er eine Schule der „Offenheit und Vielfalt“ mit Einrichtungen wie Compassion, Jung und Alt, dem Eltern-Lehrer Chor, der SMV. Frau Dr. Pacher bedankte sich für Herrn Straubs Engagement, überreichte ihm dann seine letzte Urkunde und versetzte ihn offiziell in den Ruhestand. Ein bewegender Moment.

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Nun betrat der Bürgermeister von Tettnang die Bühne. Ihm verdankt der Artikel seine Überschrift. Mit den einleitenden Worten „eine Ära geht zu Ende“ würdigte Bruno Walter Herrn Straubs bravouröse und souveräne Führung des MGTT und dankte für die loyale Zusammenarbeit mit der Stadt Tettnang. Ihn beeindrucke besonders Herr Straubs Leistung, trotz der großen Baumaßnahmen in den Jahren 2001-2003 den Schulbetrieb am Laufen gehalten zu haben, und lobte die Straubsche Herangehensweise des Handelns, Organisierens und Strukturierens, des „Wir schaffen das“.

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In seiner Eigenschaft als geschäftsführender Schulleiter setzte Herr Stohr, Schulleiter der Realschule Tettnang, die Reihe der Redner fort. In einer lustigen Analogie von Tennisspiel und Schulleiterrunde zog er Bilanz. So sprach er davon, dass Herrn Straubs Schläger immer bestens bespannt gewesen sei, er alle Schmetterbällen parieren konnte und er, mit einer natürlichen Autorität ausgestattet, ein „Quiet, please“ gar nicht benötigte, denn wenn er sprach, hörten alle zu.

Nun folge eine fantastische Darbietung der Fantasie-Impromptu op. 66 (Chopin) von Jessica Radziwill am Klavier. Dies freute Herrn Straub besonders, konnte er doch in Pandemiezeiten ihrem Spiel des Öfteren lauschen.

Der Personalrat des MGTT führte gemeinsam mit Kolleg*innen einen Sketch auf, der damit begann, dass sich alle fragten, wo Thomas wäre und ihnen schmerzlich bewusstwurde, an wie vielen Ecken und Enden er fehlen würde mit seinem Rat, seiner Expertise, seiner Entschlossenheit und schnellem transparenten Handeln. Mit einem Augenzwinkern wurde dann laut darüber nachgedacht, was Thomas wohl ohne das MGTT machen wird (Wer zum Beispiel seine Brezeln schmieren wird?).

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Natürlich durften auch die Schülervertreterinnen nicht fehlen. Keine einfache Angelegenheit, sich vor ein großes Publikum an einem solchen Tag zu stellen. Theresa Stritt und Beatriz Rodrigues Vinhas taten dies dennoch, dankten Herrn Straub für seine Schülernähe und erzählten, dass man bei Herrn Straub im Physikunterricht besser nicht mit dem Nachbarn schwätzte.
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Die Elternbeiratsvorsitzenden Sonja Wiesner und Rainer Block bedankten sich für eine gute Zusammenarbeit und sagten, dass sie sich immer gut aufgehoben gefühlt haben. Als Dankeschön verschenkten sie eigens importierten Rotwein aus dem Piemont. Überhaupt konnte sich Herr Straub über viele flüssige und blumige Geschenke an diesem Nachmittag freuen, doch nun stand ihm noch seine letzte Rede bevor und man konnte ihm ansehen, wie sehr er sich auf diesen Auftritt gefreut hatte.
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Das war der Moment, auf den alle gewartet haben. Strahlend und feierlich betrat er die Bühne der Aula des MGTT, seiner Wirkstätte.
 
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Thomas Straub dankte zunächst den Musikern und seinen Vorredner – und freut sich über das positive Feedback, das er inhaltlich natürlich nur unterstützen könne (ein erstes Augenzwinkern – Lachen im Publikum - Reden kann er halt). Bei so einer langen Tätigkeit auf Schulleitungsebene, 24 Jahre, war es bestimmt nicht einfach, Bilanz zu ziehen und auszuwählen, was zu erwähnen sei. Und so stellte er seiner Rede leitmotivisch ein Zitat an die Seite, das diese Auswahl umso interessanter machte: „Jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält.“ (Max Frisch).

Im Folgenden erzählte er aus der Zeit mit Herrn Strobel, als er selbst noch Stellvertreter war, bei dem jede Pause eine Lehrstunde und Tee ein „Must“ war. Mit Herrn Straubs Einzug ins neue Büro zog gleichzeitig eine Kaffeemaschine in die Küche ein.

Auch Thomas Straubs Frau Sigrid war Teil seiner Rede, war sie es doch, die ihn frühzeitig darauf hinwies, dass investierte Zeit und Geld sich in dieser neuen Position nicht mehr in einem ausgewogenen Verhältnis befänden. Er dankte ihr ausdrücklich dafür, ihm den Rücken freigehalten zu haben.

Die Schulentwicklung war Herrn Straub eine Herzensangelegenheit, auch dann noch, als man ihn aus der SEG auslud – letztlich war dies positiv. Denn Strukturen funktionieren durch Vertrauen. Und in der SEG darf jeder mitreden und Vorschläge machen, es brauche keine direkte Anwesenheit der Schulleitung.

Herr Straub pflegte flache Hierarchien, duzte sich mit den meisten im Kollegium, und dennoch hätte nie jemand in Frage gestellt, wer der Chef ist. Er hat zahlreiche Aufgaben und Neuerungen durchstanden und mitgestaltet, auch wenn zum Beispiel bei der Neugestaltung der Oberstufe Personalressourcen vom KM fehlten: „Diese waren nicht ausreichend.“

Das RP Tübingen hätte immer ein offenes Ohr gehabt und stets gut beraten, weswegen er der Abteilung 7 danken möchte und Herrn Hachenberg, unseren Schulreferenten, als besonders hilfsbereit hervorhob.

Nach einer längeren Phase weiterer Danksagungen (eine Schule ist Teil eines großen Geflechts) wurde es noch einmal ernst. Herr Straub habe noch einen Wunsch, der zeigt, wer bei seinen Überlegungen, seiner Führung, der Ausgangspunkt seiner Gedanken ist: Die Schüler*innen.

Sein Wunsch sei, dass es keine Zusammenlegung der 8. Klassen gäbe. Die Schüler wären durch die Pandemie schon genug gebeutelt. Da würde eine Auflösung und daraus entstehende drei große Klassen nicht helfen, um Lernstoff aufzuarbeiten – im Gegenteil! Wir hoffen, dass dieser Wunsch gehört wurde und auch in Erfüllung geht! Als das Schlusswort gesprochen war, gab es“ standing ovations“ und Herr Straub war sichtlich gerührt. Im Saal blieb nicht jedes Auge trocken.

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Umso schöner, dass es dann beschwingt weiterging. Nach einem letzten Auftritt des Kammerorchesters wartete vor der Aula schon der Fanfarenzug, der Herrn Straub und seine Gäste lautstark zu Mensa hinüberführte. Fast wie am Gumpigen, nur wärmer und ohne Hexen.

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Im Sonnenschein durfte dann angestoßen werden. In der Mensa warteten zudem lauter Köstlichkeiten auf die Gäste. In gelöster Stimmung konnten in kleinen Grüppchen noch einmal persönliche, informelle Worte gewechselt werden. Eine schöne Feier fand ihren Ausklang.

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